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Seltenes Kunsthandwerk: Klaus Köhler zeigt Buchmalerei im Kloster

Veröffentlicht am: 2. April 2025

Blattgold, leuchtende Farben, „Elefantenhaut“, eine ruhige Hand und unendlich viel Geduld sind die wichtigsten Arbeitsmittel für Klaus Dieter Köhler. Sein Metier ist die Buchmalerei. Vom 11. April bis 11. Mai stellt der in Bichl lebende Künstler im Südflügel des Kreuzgangs im Kloster Benediktbeuern handgefertigte Werke aus, darunter kunstvoll geschwungene Initialen, leuchtende Szenen aus Prachthandschriften und Sternzeichen-Porträts.

Faksimiles von mittelalterlichen Handschriften, wie das der Wenzelsbibel, oder filigran verzierte Stundenbücher haben Klaus Dieter Köhler schon in jungen Jahren fasziniert. Er wurde 1955 in Frauenau im Bayerischen Wald geboren, zog dann in seiner Jugend nach Oberbayern. Während seines Studiums zum Diplom-Volkswirt begann Köhler, Tiere, Portraits und Landschaften zu zeichnen. Nach und nach beschäftigte er sich mit Handwerkskünsten wie der Bleiverglasung, der Holzschnitzerei oder dem Vergolden von Figuren. So stellte der Verwaltungsbeamte in seiner Freizeit Glasbilder, Kruzifixe und Ikonen her, die er auch mit Farbe und Gold verzierte. „Diese Fertigkeiten kamen mir später bei der Buchmalerei zugute,“ erklärt der mittlerweile im Ruhestand lebende Künstler. Und wie kam er schließlich zur Buchmalerei? „Die Faszination der illuminierten Handschriften mit ihren reichen Verzierungen, insbesondere in den Stundenbüchern, übte auf mich eine derartige Anziehungskraft aus, dass ich mich fast zwangsweise mit der mittelalterlichen Buchmalerei befassen musste.“

Klaus Dieter Köhler erlernte die Buchmalerei als Autodidakt. Er studierte die unterschiedlichen Techniken und vertiefte sich in die zahlreichen, kleinteiligen Arbeitsschritte. Beispielsweise wird das Blattgold von Hand aufgeklebt, nicht wie die Farben mit dem Pinsel aufgetragen. Sorgfalt, Akribie und unendlich viel Zeit sind erforderlich, um diese vor den Zeiten des Buchdrucks entstandene Kunst auszuüben. Köhler gibt selbst zu: „Der damit verbundene Zeitaufwand ist mit keiner anderen Maltechnik vergleichbar. Es gehört schon ein gewisses Maß an Masochismus dazu, sich überhaupt dieser Art der Malerei zu verschreiben.“

Und funktioniert Buchmalerei heute noch genauso wie damals im Mittelalter? Zur damaligen Zeit war Papier noch nicht verbreitet, deshalb wurden Texte und Bilder auf Pergament – Tierhaut – aufgezeichnet. Farben gewann man aus Naturstoffen, beispielsweise Purpur aus Purpurschnecken. „Doch keine Angst, ich schlachte keine Schnecken,“ beruhigt Köhler. Er verwendet Acrylfarben, Kunsthaarpinsel und Elefantenhaut. Und nein, Köhler geht auch keinen Elefanten ans Leder. Elefantenhaut ist ein besonders robustes Spezialpapier, das ähnliche Eigenschaften aufweist wie das im Mittelalter verwendete Pergament. Das Arbeitsmaterial hat sich also weiterentwickelt, doch die zeitintensive Handarbeit bleibt. Doch genau das reizt Köhler an der Buchmalerei und ist für ihn ein Ausgleich zur Hektik unserer Tage.   

Die Besucher der Ausstellung erwartet eine Vielfalt an kunstvoller Buchmalerei, die es so meist nur in Museen und Archiven – oft mit beschränktem Zugang – zu sehen gibt.

Die Ausstellung kann vom 11. April bis zum 11. Mai täglich von 9 Uhr bis 18 Uhr besucht werden. Der Eintritt ist frei. Der Künstler steht vor Ort für Fragen zur Verfügung.