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Teil 1: Viele Wege führen nach Deutschland

Noch älter als sein Werk in Deutschland ist nur die Zeitschrift Don Boscos. Seit 1895 bereits erscheinen die „Salesianischen Nachrichten“ – das heutige Don Bosco Magazin – in einer eigenständigen deutschen Sprachfassung. 1877 von Don Bosco selbst als „Verbindungsorgan“ zu Freunden und Förderern seines Werkes gegründet, trug die Zeitschrift ab 1895 – schon knapp zwanzig Jahre vor Ankunft der ersten Salesianer in Deutschland – erheblich zur Popularität Don Boscos im deutschen Sprachraum bei.

20.000 Exemplare wurden gratis an die in Deutschland eingeschriebenen „Salesianischen Mitarbeiter Don Boscos“ versandt, aber auch potentiellen Multiplikatoren wie Redakteuren, Priestern und Lehrern gezielt zugänglich gemacht. Durch die Berichte aus salesianischen Häusern, über Neugründungen, über die Tätigkeit der Kongregation in den Missionen in Südamerika, in Afrika und Asien, durch die volkstümlichen Darstellungen aus der Biografie Don Boscos und die Gemeinschaft der Salesianischen Mitarbeiter fand die Idee Don Boscos eine große Verbreitung.

Emanuel La Roche erster Schriftleiter

Mit dem Schweizer Emanuel La Roche hatte Don Michael Rua, der erste Nachfolger Don Boscos, einen fähigen und erfahrenen Kopf als ersten Schriftleiter berufen. Er war mit 51 Jahren 1892 in die Kongregation eingetreten. Zuvor hatte er Medizin studiert und als Offizier in österreichischen Diensten gestanden.

Bis zur Gründung einer deutschsprachigen Ausgabe der Salesianischen Nachrichten hatte es jedoch drei Anläufe gebraucht. Maßgeblichen Anteil daran hatte Johann Baptist Mehler (1860–1930). In seiner Katholikentagsrede des Jahres 1885 sprach der Regensburger Priester, der 1885 das Turiner „Oratorium“ Don Boscos besucht hatte, davon, dass es in Westfalen und im Rheinland die ersten Salesianischen Mitarbeiter Deutschlands gegeben habe. Während des Katholikentags konnte er über 100 neue Mitarbeiter hinzugewinnen.

Kurze Zeit später wandte er sich brieflich an Don Bosco, um diesen über seine Aktivitäten zu informieren und um konkrete Vorschläge zur weiteren Werbung für die Ideen Don Boscos in Deutschland zu unterbreiten.

Erste eigenständige deutsche Version

Schon am 17. September 1885 befasste sich der Obernrat der salesianischen Kongregation in Turin mit Mehlers Anliegen. Auf dessen Vorschlag, die Urkunden für die deutschen Mitarbeiter künftig in Deutschland drucken zu lassen, wollte man hier jedoch ebensowenig eingehen wie auf die Anregung, eine eigenständige deutsche Version der Ordenszeitschrift „Bollettino Salesiano” herauszugeben. Don Bosco und die übrigen Obernratsmitglieder vertraten die Auffassung, dass die salesianische Zeitschrift eine „allgemeine Sache” für alle Teile der Welt sein müsse, und waren mit einer mehr oder weniger unabhängig von der Zentrale erscheinenden Ausgabe nicht einverstanden. So konnten die deutschen Mitarbeiter in den folgenden Jahren nur auf das seit 1877 erscheinende italienische „Bollettino Salesiano” oder auf das seit 1879 erscheinende französische „Bulletin Salésien” zurückgreifen.

Einen weiteren Versuch, die Herausgabe eines deutschen „Bollettino“ zu bewirken, unternahm Mehler nach dem Tod Don Boscos. Am 29. Februar 1888 schrieb er an Don Rua, dass die deutschen Mitarbeiter den Tod Don Boscos sehr bedauerten. Zugleich bat er um die Erlaubnis, neue Mitarbeiter aufzunehmen, wozu er deutsche Urkunden benötige. Außerdem teilte er mit, dass er die Absicht hege, ein deutschsprachiges „Bollettino“ herauszugeben, das die Mitarbeiter auch über die salesianische Mission informieren solle. Von Don Bosco habe er seinerzeit grünes Licht dazu erhalten, wolle den Plan allerdings nur mit Don Ruas Einverständnis ausführen. Mehler gab weiter zu bedenken, dass die meisten deutschen Mitarbeiter kein Italienisch oder Französisch verstünden und dass eine wörtliche Übersetzung der Ordenszeitschrift ihm nicht sinnvoll erscheine.

Initiative von Don Rua

Bis zum Erscheinen einer deutschsprachigen Zeitschrift für die Salesianischen Mitarbeiter sollte es noch weitere sieben Jahre dauern. Diesmal ging die Initiative nicht von Johann Baptist Mehler aus, sondern vom Generalobern Don Rua, der sich Anfang Juli 1894 nach Muri im Schweizer Kanton Aargau begab, um dort Gespräche über die mögliche Gründung einer Ordensniederlassung zu führen. Während seines Aufenthaltes kam es an mehreren Orten der Umgebung zu Treffen mit Gruppen Salesianischer Mitarbeiter. Don Rua reiste weiter nach Lüttich, von wo aus er am 16. Juli 1894 dem aus Basel stammenden und in Turin tätigen Mitbruder Emanuel La Roche (1842–1916) schrieb, dass die Zahl der Mitarbeiter in der Schweiz zugenommen habe und man mit Blick auf die Zukunft nun an die Herausgabe eines deutschen „Bollettino” denken könne.

Unter dem Namen „Salesianische Nachrichten” und mit einer Anfangsauflage von 20.000 Exemplaren erschien vom Januar 1895 an im Turiner Mutterhaus der Salesianer eine deutsche Übersetzung des „Bollettino“, deren Redakteur La Roche wurde. Damit bestand die Möglichkeit, auch diejenigen Salesianischen Mitarbeiter, die weder Italienisch noch Französisch verstanden, aus erster Hand über die Tätigkeit der Kongregation zu informieren. Die Zusammensetzung der Leserschaft lässt sich annäherungsweise ermitteln anhand der Listen verstorbener Mitarbeiter, die am Ende jedes einzelnen Monatsheftes abgedruckt wurden. Von den dort aufgeführten Toten der Jahre 1895 bis 1899 kamen etwa 40 % aus dem größten deutschen Einzelstaat Preußen, 20 % aus Bayern, 16 % aus der Schweiz, 13 % aus Österreich, 8 % aus Baden und Württemberg; etwa 48 % waren Priester und Ordensleute, 7 % Beamte und Lehrer. Unter den Lesern befanden sich auch solche, deren Muttersprache nicht Deutsch war (Polen, Slowenen, Ungarn, Niederländer, ...).

Die „Salesianischen Nachrichten” druckten im wesentlichen dieselben Artikel ab wie das „Bollettino”. Einzelne Beiträge richteten sich in besonderer Weise an die deutsche Leserschaft. Schon im Jahre 1895 wurde darüber informiert, dass für deutsche Jünglinge die Möglichkeit bestehe, bei den Salesianern im piemontesischen Foglizzo und im schweizerischen Ascona zu studieren. Ab Mai 1897 wurde in der Zeitschrift eine intensive Werbung „für deutsche erwachsene Jünglinge, welche sich zum geistlichen und Ordens-Stande oder für die Missionen berufen fühlen”, betrieben, die von 1899/1900 an vor allem deshalb einen unerwartet großen Widerhall fand, weil es nördlich der Alpen noch keine Einrichtungen für Spätberufene gab.

Text: Norbert Wolff, in: Viele Wege führen nach Deutschland. Überlegungen zur salesianischen Geschichte der Jahre 1883-1922. München 2000; S. 24-26.

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