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3.000 Kilometer mit dem Rad durch Europa

Veröffentlicht am: 16. Dezember 2015

Würzburg - Wer den drahtigen 19-jährigen Daniel kennt, weiß, dass er ein begeisterter Radfahrer ist und sein schlichter Drahtesel schon einige Kilometer auf dem Buckel hat. Dass er diesen Sommer aber 26 Tage lang alleine mit seinem Fahrrad in Westeuropa unterwegs war und dabei 2851 Kilometer zurücklegt hat, daran hätte im Traum keiner seiner Freunde oder Bekannten gedacht. Was für viele ihr Leben lang ein Traum bleibt, hat er mit einfachsten Mitteln und knappem Budget in die Tat umgesetzt.

Daniel ist gerade im zweiten Ausbildungsjahr zum Fachlageristen im Caritas-Don Bosco Werk in Würzburg und lebt dort in einer Außenwohngruppe. Von hier aus hat er auch seine Tour geplant – größtenteils alleine. Er hatte nur Google Maps auf seinem Handy,  eine Faltkarte von Frankreich und unterwegs Internetzugang an kostenlosen WLAN-Hotspots. Von seinem zusammengesparten Ausbildungsgeld hat er sich einfache Packtaschen, einen Schlafsack und ein kleines Zelt angeschafft und dabei aus Platzgründen auf eine Isomatte verzichtet. Meistens übernachtete er während seiner Reise im Freien: „Ich suchte mir einfach eine weiche Wiese oder legte meine Kleidung zum schlafen unter“.

Fremde Länder, Menschen und Kulturen faszinierten ihn schon als kleines Kind. Mit fünf Jahren (in einem Alter, in dem sich kleine Jungs für gewöhnlich Spielzeugautos oder Bagger wünschen) wünschte Daniel sich eine Weltkarte und kannte schnell die  Hauptstädte der Welt auswendig. Das sollte ihm auf seinem Trip zugute kommen. Als sein Handy mitsamt GPS kurz vor Spanien den Geist aufgegeben hat, fuhr er einfach der Straße und der Karte nach und orientierte sich jeweils an der nächsten großen Stadt. Er ist nur enttäuscht darüber, dass er ab dem Zeitpunkt ohne Handy auch keine Fotos mehr machen konnte. Aber die Eindrücke, die behält er für immer in seinem Kopf. Die kann ihm keiner mehr nehmen.

Wenn er heute darüber nachdenkt, was er da geleistet hat, findet er es selbst "ein bisschen verrückt". "Ich kann es mir heute gar nicht mehr vorstellen, dass ich das allein geschaftt hab!" Daniel will „in der Welt rumkommen und Leute kennenlernen“. Er genießt das Gefühl von Freiheit, das er hat, wenn er stundenlang allein mit seinem Rad auf der Straße unterwegs ist: „Da kann ich einfach frei sein und kann allen Sorgen und dem Alltag davonfahren“. Einsam gefühlt hat er sich dabei nie, ist er doch jeden Tag mit vielen unterschiedlichen Menschen beim Einkaufen, am Strand oder unterwegs auf der Straße ins Gespräch gekommen. „Mit Händen und Füßen konnte man sich prima verständigen.“ Viele haben ihn auf sein vollgepacktes Fahrrad angesprochen, ihn seine Wäsche waschen lassen, Essen geschenkt oder bei sich beherbergt. Ein Priester ließ ihn in Italien sogar in einer Kirche übernachten.

Die Tour startete Anfang August in Neuenburg am Rhein in Baden Württemberg. Von hier aus ging es über den Rhône-Radweg durch Frankreich. Daniel fuhr durch bekannte Städte wie Lyon, überquerte unter anderem das französische Zentralmassiv und kam am siebten Tag am Mittelmeer an. Er erzählt, dass es an den meisten Tagen sehr heiß war (ca. 30 Grad Celius), er aber auch in ein Unwetter geriet, bei dem man es mit der Angst zu tun bekam. Während einem Gewitter hatte er Unterschlupf in einer einfachen Hütte gesucht und mit angesehen, wie direkt vor ihm mit einem ohrenbetäubenden Knall der Blitz in eine Pinie eingeschlagen hat. Die südländische Hitze hat er gut ausgehalten. Wenn es ihm bei 39 Grad zu heiß war, ist er einfach kurz zum abkühlen ins Meer gesprungen.

Am zehnten Tag seiner Fahrradtour überquerte er die spanische Grenze. Ab da hatte er sein wichtigstes Souvenir immer sichtbar am Fahrrad: Eine spanische Flagge wehte von da an im Fahrtwind hinter ihm und war häufig der Anlass für Fragen von Unbekannten. So reagierten deutlich besser ausgerüstete Rennradfahrer während der folgenden 17 Tage immer irritiert, wenn sie das einfache Mountainbike mit einer spanischen Flagge sahen.

Entlang der Mittelmeerküste fuhr Daniel in Richtung Italien. Auf dem Weg kam er an berühmten und reichen Städten wie Cannes und Monaco vorbei und konnte die berühmte Formel 1- Rennstrecke mit seinem Fahrrad abfahren.

Da er schneller unterwegs war als geplant, erweiterte er seine Reise um einen Abstecher nach Italien und die Schweiz. Vor allem die Schweizer beschreibt er als ein sehr freundliches und aufgeschlossenes Volk. Einer der vielen freundlichen Schweizer, die er unterwegs kennenlernte, schenkte ihm 20 Franken, von denen er sich etwas zu essen und ein original Schweizer Taschenmesser als Erinnerung kaufte.

Von jeder großen Stadt, die er durchquerte, kaufte er sich eine Postkarte und hat sie seither in seinem Zimmer in seiner Wohngruppe aufbewahrt, um auch Zweifler von seiner weiten Reise zu überzeugen.

Über die italienische Küstenstadt Savona ging es dann schließlich über die Apenninen wieder zurück Richtung Deutschland. Der für ihn anstrengendste Teil des Weges führte über den Splügenpass (2115m) bei dichtem Nebel und 7° Kälte zurück gen Heimat. Am 26. Tag seiner Reise erreichte er die deutsche Grenze und fuhr schließlich von Lindau aus mit dem Zug wieder zurück nach Würzburg.

Daniel ist täglich rund 100 km gefahren. Bei den enormen Temperaturschwankungen ist er manchmal an seine Grenzen gekommen oder wenn die Beine vom langen Radeln schwer geworden sind. Als er in Marseille endlos den Berg hoch und runter fuhr, dachte er, dass er „es niemals schaffen würde". Aber sein Ziel war, ans spanische Meer zu kommen und er hat sich durchgebissen und es geschafft.
Am eindrucksvollsten ist ihm die erste Übernachtung oberhalb von Barcelona im Gedächtnis, als er im warmen Sand unter einer Palme direkt am Meer sein Nachtlager aufgeschlagen hat.

Beruflich absolviert er gerade ein Praktikum im Lager eines großen Würzburger Elektromarktes, was ihm großen Spaß macht. Im nächsten Jahr möchte er gern noch ein drittes Ausbildungsjahr anhängen als Fachkraft für Lagerlogistik und dann weiter schauen, wie er seine beruflichen Fähigkeiten und sein Interesse an Reisen und Ländern miteinander verknüpfen kann.

Aber vorher will er nochmal auf große Fahrt. Er schmiedet jetzt schon Pläne für den nächsten Sommer: Diesmal soll die Reise nach Südosteuropa gehen. Mit dem Rad will er  Albanien, Kroatien und Montenegro erkunden.

Sein größter Herzenswunsch ist es, irgendwann einmal die Panamericana (die längste Straße der Welt) von Alaska bis Feuerland abzufahren. Und wer weiß? Träume nicht dein Leben, sondern lebe deinen Traum. Wenn Daniel seinem Lebensmotto treu bleibt, wird eines Tages eine Postkarte aus Feuerland an seiner Pinnwand hängen.

Text: Thomas Schneider / Susanne Geiger
Foto: privat

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