Kloster Benediktbeuern 1

Sehr positive Resonanz im Zentrum für Umwelt und Kultur (ZUK): Interkultureller Schöpfungs-Dialog

Veröffentlicht am: 07. November 2017

Benediktbeuern – Eine sehr positive Resonanz erfuhr der Interkulturelle Dialog „Schöpfungs-Verständnis und praktizierte Schöpfungs-Verantwortung verschiedener Religionen / Konfessionen“ kürzlich im Zentrum für Umwelt und Kultur (ZUK). Vertreter aus Buddhismus, Islam, Griechisch-Orthodoxer Kirche, Römisch-Katholischer Kirche und Evangelisch-Lutherischer Kirche stellten hierzu in Impulsreferaten ihre Sichtweise sowie Erfahrungen vor und tauschten sich aus in einer gemeinsamen Podiumsdiskussion, an der sich auch das Publikum beteiligte. Offen und anregend war der Umgang mitein¬ander bei diesem Symposium, das im Rahmen des diesjährigen ZUK-Bildungsprojektes „Kulturwandel(n)“ vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz gefördert wird.

„Dialog ist die einzige Möglichkeit, um für Frieden, für Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung wirklich Konkretes zu leisten“ verdeutlichte ZUK-Rektor P. Karl Geißinger SDB bei seiner Begrüßung und lud die Teilnehmenden dazu ein, mit offenen Ohren und offenem Herzen hinhören, was der Andere zu sagen hat. Klosterdirektor Prof. P. Dr. Lothar Bily SDB skizzierte als Fundamental-Theologe in seinen einführen¬den Gedanken den Weg von der Ökumene der Kirchen zum Dialog der Religionen bis hin zum ökologischen Weltethos, ebenso grundsätzliche Verstehens-Modelle für Welt und Mensch sowie die Entzauberung der Welt durch den biblischen Schöpfungsbericht.

Wie Schöpfung aus buddhistischer Sicht verstanden wird und welche Folgen dies für das Handeln im Sinne praktizierter Schöpfungsverantwortung hat, erläuterte Heinz Roiger, der als langjähriges Ratsmitglied der Deutschen Buddhistischen Union und ehemaliger Präsident der Europäischen Buddhistischen Union auch im Münchner Rat der Religionen aktiv ist. Mit in den Blick genommen wurden dabei Haltungen wie Toleranz und Akzeptanz des „Anderen“, Kultivierung des Herzens in Richtung Liebe und Mitgefühl sowie Aussagen des Dalai Lamas zur Ethik in der Weltgemeinschaft.

Islamwissenschaftler Erdoğan Karakaya gab Einblicke, welche Rolle die Schöpfung im Islam spielt und wie unterschiedlich die Bedeutung von Schöpfungsverantwortung in verschiedenen Ländern wahrgenommen wird. Er nannte auch verschiedene Praxis-Beispiele wie die Hima-Bewegung sowie die NourEnergie mit ihrer grünen Moschee. Karakaya ist als Referent für Christlich-Islamischen Dialog in der Eugen-Biser-Stiftung (München) tätig, die seit 15 Jahren den innerkirchlichen, interkonfessionellen und interreligiösen Dialog fördert.

Wie ist die christliche Sicht von Schöpfungs-Verständnis und praktizierter Schöpfungs-Verantwortung? Referenten aus drei verschiedenen Kirchen zeigten in ihren Impuls¬referaten Unterschiede und Gemeinsamkeiten auf:

Die Sicht der Griechisch-Orthodoxen-Kirche erläuterte Diplom-Theologe Georgios Vlantis, M.Th., der auch Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Bayern ist. In seinem Vortrag ging er insbesondere auf das schöpfungs¬theologische Denken und die mit großem Engagement angegangenen Initiativen des Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I von Konstantinopel (Istanbul) ein, der auch als „Grüner Patriarch“ bezeichnet wird. Selbstverzicht, Selbstkontrolle, gewollte Abstinenz seien Ausdrücke echter Liebe. Bartholomaios I ruft zum Gebet für die Umwelt auf und er lädt zu einem „Öko-Schweigen“ ein, damit der Mensch das Geschrei der Natur klarer hören kann und sich als Geschöpf seiner eigenen menschlichen Grenzen bewusst wird.

Als Vertreterin der Römisch-Katholischen Kirche sprach Nachhaltigkeitsreferentin Lisa Amon vom Bistum Eichstätt. Für den Eichstätter Bischof Gregor Hanke, früherer Benediktinerabt des Öko-Klosters Plankstetten, ist die Bewahrung der Schöpfung ein wichtiges (Herzens-) Anliegen. Papst Franziskus unterstützt dabei in den Beweggründen, wie die deutlichen Worte seiner Enzyklika „Laudato si“ zeigen. Angesichts der heutigen Weltsituation werden dabei Ökologie und Soziales miteinander verbunden. Gemäß dem Motto „Vom Reden zum Tun kommen“ berichtete Amon von konkreten Umsetzungen in der Umweltarbeit des Bistums Eichstätt. Das Ordinariat ist auch zertifiziert nach dem EU-Öko-Audit EMAS.

Wie sieht und lebt es die Evangelisch-Lutherische Kirche? Pfarrer Gerhard Monninger, ehemaliger Umweltbeauftragter der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern und Vorstand des Vereins „Schöpfung bewahren konkret“, veranschaulichte das Schöpfungs-Verständnis seiner Kirche als Wegsuche zwischen den jeweiligen Polen „religiöses Naturerlebnis“ und „Schöpfungsvergessenheit“, zwischen „Kreationismus“ und „Darwinismus“. Bei der praktizierten Schöpfungsverantwortung erläuterte er die drei allgemeinen Grundsätze „Respekt vor dem Gegebenen“, „Solidarität mit den Mitgeschöpfen“ sowie „Eigenwert und Eigenrecht der Mitgeschöpfe“. Ebenso nannte
er Strategien einer nachhaltigen Entwicklung und Grundsätze eines persönlichen nachhaltigen Lebensstils, verdeutlicht an Beispielen.

Nachlesbar sind die Impulsreferate der Referenten im Internet unter www.zuk-bb.de/zuk/aktuelles/nachrichten/

Vor dem vegetarischen Bio-Mittagessen, das Kräuterpädagogin Maria Walser aus Wackersberg schmackhaft zubereitet hatte, wurde ein kurzes multireligiöses Mittagsgebet mit Beiträgen aus dem Buddhismus, Islam und Christentum gehalten. Das Mittag¬essen bot weitere Möglichkeiten der Begegnung im Gespräch.

In der Mitte des ZUK-Meditationsgartens stellte anschließend ZUK-Rektor P. Karl Geißinger SDB den Teilnehmern die Lebens-Symbolik eines neu erworbenen Granatapfelbäumchens in verschiedenen Weltreligionen vor sowie die Verwendung der Granatäpfel, von denen jeder 613 Kerne haben soll. Im Sommerhalbjahr wird der Granatapfelbaum hier im innersten Beetkreis des Meditationsgartens zu sehen sein.

Bei der nachfolgenden Podiums-Diskussion gefragt, welche Ausführungen der Mit-Referenten für sie besonders wichtig und anregend waren, nannte Pfarrer Monninger die Bewusstwerdung eigener Grenzen, die er in Verwandtschaft zur Tugend des rechten Maßes sieht. Erdoğan Karakaya gab zu verstehen, dass alle Beteiligten im Gespräch zwar ähnliche Begriffe verwendeten, jedoch jeweils sehr Unterschiedliches damit gemeint sein könne. Georgios Vlantis hob die Bedeutung eines gemeinsamen Handlungsrahmens hervor und wies hin auf eine gewisse Spannung zwischen geschichtlicher Tradition und aktuellen anzugehenden Problemen, die er bei allen Referaten gespürt habe: Wie damit umgehen und eine gemeinsame Sprache finden, die heutige Menschen überzeugt? Dies betreffe beispielsweise den Respekt vor der Natur. Eigene Grenzen wahrzunehmen und akzeptieren zu können, ist auch Heinz Roiger wichtig, ebenso eine verständliche Sprache, unterstrichen mit dem Goethe-Zitat „Es hört doch jeder nur, was er versteht“. Eine bestärkende Erfahrung für Lisa Amon war das deutlich gewordene Anliegen aller vertretenen Religionen, die Schöpfung zu achten und das Ringen, wie mit Schöpfung sorgsam umzugehen sei. Auch vom „Öko-Schweigen“ fühlte sie sich angesprochen. Nachdenklich gemacht hatte sie die Frage, ob das in Deutschland wichtige Thema praktizierter Schöpfungsverantwortung in anderen Weltregionen relevant ist, wo Menschen mit anderen Sorgen zu tun haben. Dennoch sieht sie Industrieländer wie Deutschland hier in der Verantwortung.

Die weitere Podiumsdiskussion beschäftigte sich auch mit Fragen nach Formen nachhaltigen Wirtschaftens und ethischen Aufgaben von Religionen in diesem Findungsprozess angesichts rasant wachsender Probleme. Ebenfalls ging es um den Umgang mit Geboten, die Wirksamkeit gemeinsamer Erklärungen, die Bedeutung des Engagements von Bürger und Staat sowie der Bildung für nachhaltige Entwicklung.
Was nahmen die Referenten als Impulse aus diesem Interkulturellen Dialog mit?

Viel Konsens sieht Georgios Vlantis in wichtigen Anliegen, aber Konsequenzen seien daraus noch zu ziehen, auch durch die geistige (Nach-)Verarbeitung des bereits Erreichten in vielen Kontexten. Sprachfähig zu werden, sowohl durch die Fähigkeit zu Fragen als auch Antworten gemeinsam in den Dialog treten zu können, betrachtet Erdoğan Karakaya als Aufgabe für seine Arbeit mit Jugendlichen. Denn er hat herausgefunden, dass muslimische Jugendliche bisher gelernt haben, wunderbar zu antworten, aber nicht zu fragen. Umgekehrt erlebe er, dass christliche Jugendliche (aus christlichen Organisationen) unglaublich interessiert fragen können, aber sie könnten kein Zeugnis mehr ablegen, keine Frage mehr aus ihrem Glaubensverständnis, aus ihrem christlichen Menschenbild heraus beantworten. Das Thema Schöpfung und Umwelt möchte Karakaya in diesen Jugend-Dialogen zum Thema machen. Große Wertschätzung äußerte Heinz Roiger über die an diesen Tag erfahrenen Begegnungen und er sieht auch viele verbleibende Fragen, jedoch positiv, da sie zum Hinschauen und Beobachten führen würden. Lisa Amon hat der Interkulturelle Dialog auch für Ihre Arbeit im Bistum Eichstätt ermutigt und sie überlegt, wie dieser Dialog in ihrem Bistum fortgesetzt werden kann. Das Interesse am Islam wurde bei Pfarrer Gerhard Monninger durch dieses Symposium nochmals neu geweckt, auch aufgrund der fragenden und differenzierten islamischen Position. Und er möchte sich nun vertieft beschäftigen mit genannten muslimischen Bewegungen, die sich für die Bewahrung der Schöpfung einsetzen – beispielsweise eine grüne Moschee – auch als Anregung für die eigene Kirche.

Martin Blösl, Zentrum für Umwelt und Kultur, Kloster Benediktbeuern

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